Ein Plädoyer für Gerechtigkeit für die Familie
Von Jürgen Liminski
Familienpolitik in Deutschland verdient ihren Namen nicht. Sie ist eine Geschichte des Verrats an den Familien,
" weil die Urteile des Bundesverfassungsgerichts nicht umgesetzt werden ("wir leben im permanenten Verfassungsbruch" sagt Paul Kirchhof),
" weil man Familien und Wählervolk mit dem Elterngeld blendet; es begünstigt die doppelt Erwerbstätigen Akademikerpaare auf Kosten der Geringverdiener,
" weil die Große Koalition den Familien mit der Streichung der Eigenheimzulage, dem Wegfall von zwei Jahren Kindergeld, der Kürzung der Pendlerpauschale und der Erhöhung der Verbrauchssteuern mehr als zehn Milliarden Euro aus der Tasche zieht und sich mit den 1,5 Millionen Euro für das Elterngeld brüstet,
" weil der Ausbau des Krippensystems nicht den Bedürfnissen und Wünschen der Familien entspricht, sondern der Wirtschaft und der Politikerkaste dient,
" weil so viel Krippen (750.000) gar nicht gebraucht und damit die jungen Mütter in die Betriebe gedrängt werden sollen, statt ihnen wirkliche Wahlfreiheit zu bieten. Denn junge Mütter sind gut ausgebildet, um rund 20 Prozent preiswerter als männliche Kollegen und wenn sie Kinder haben auch verantwortungsbewusster und oft bescheidener, was sie gefügiger macht gegenüber den Anforderungen des Betriebs (weniger Fluktuation, keine übermäßigen Lohnforderungen);
" weil die Politik eine Stimmung im Land fördert, die der Erwerbsarbeit absolute Vorfahrt einräumt vor der Familienarbeit, obwohl Pflege und Erziehung sich mit Personen, Erwerbsarbeit sich aber vorwiegend mit Produktionen befasst. Materialismus vor Menschlichkeit - das ist der kalte Hauch der DDR;
" weil Frauen, die sich in den ersten Jahren für die Erziehung ihrer Kinder entscheiden, von Politik und Medien diskriminiert (Nur-Hausfrau, Heimchen am Herd, "kein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft" (J. B. Kerner)) und pauschal als unfähig gebrandmarkt werden (Eltern "versaufen" das Betreuungsgeld);
" weil die überwältigenden Ergebnisse der Entwicklungspsychologie sowie der Hirn-und Bindungsforschung, die dringend eine ständig liebevolle Zuwendung in den ersten Jahren empfehlen (Krippenerziehung ist Risikoerziehung), systematisch verdrängt und von ideologisch geprägten Kleinstudien und Umfragen verzerrt werden;
" weil diese liebevolle Zuwendung Grundlage ist für die soziale Kompetenz und die Innovationsfähigkeit (Bindung geht vor Bildung). Emotionen sind die Architekten des Gehirns, sagt der Kinderarzt und Bindungsforscher Stanley Greenspan. Von der Innovationsfähigkeit aber hängt die Zukunft in einem rohstoffarmen Land wie Deutschland ab;
" weil wir ohne Kinder emotionell verarmen. Wo Kinder sind, da ist ein goldenes Zeitalter, zitiert Frau von der Leyen gern den deutschen Frühromantiker Novalis. Aber Beziehung braucht Zeit und ihre Politik führt in ein blechern klingendes Äon, in rationale Eiswüsten, denn diese Politik ist Arbeitsmarktpolitik und stiehlt den Eltern die Zeit für ihre Kinder;
" weil die demographische Entwicklung eigentlich dazu zwingt, die Familie als "Keimzelle der Gesellschaft" zu fördern, statt sie weiter auszuzehren;
" weil neun von zehn Paaren in Ehe und drei von vier Kindern bei ihren leiblichen Eltern leben, Politik und Medien sich dennoch vorwiegend mit Randgruppen befassen und so tun, als bestehe die Gesellschaft nur noch aus solchen Lebensformen (die in der Tat der Welt des politisch-medialen Establishments entsprechen und die man verallgemeinern will).
Es gibt weitere Denkfehler und Gründe, die das Wort Verrat geradezu aufdrängen. Die Manipulationen und Verirrungen lassen sich mit Zahlen, Beispielen und Statistiken aufdecken. Sicher ist: "Familie ist der Kern aller Sozialordnung" (Benedikt XVI.) und ohne wirkliche Wahlfreiheit und Gerechtigkeit für die Familie gibt es keine Zukunft. Es ist Zeit für eine Wende in Richtung Freiheit. Sonst wird eine Zukunftsformel Deutschlands, der Artikel 6 (Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung), vollends zur Floskel. Es wäre die Kapitulation vor angeblichen Sachzwängen der Wirtschaft und den Lebensformen einer Minderheit, der familienpolitischen Nomenklatura in Politik und Medien. James Graf von Moltke schrieb, als Gefangener der Nazis: Die wesentliche Aufgabe des Staates bestehe darin, "dem einzelnen Freiheit zu verschaffen". Damit meinte er, wie andere Widerstandskämpfer, auch die Familie.
Quelle: http://www.eva-herman.de/microsite/familienpolitik/die_verratene_familie.html
Zwölfmal Verrat - Artikel 6: Zukunftsformel oder nur noch Floskel?
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